Wie sieht Ihr Alltag aus? Bringt Sie eine unerwartete Änderung oder die plötzliche Erkrankung Ihres Kindes völlig ins Schwimmen? Was bleibt auf der Strecke? Familie, Arbeit, Freunde oder Sie? Ist Ihr Leben gefüllt statt erfüllt? Und wo bleiben Ihre Vorsätze, Visionen und Ziele, die über den Tag hinausgehen?
Sie gehen entweder zwischen den äußeren Anforderungen an uns, viele Rollen zu erfüllen, oder unserer Ratlosigkeit, angesichts der vielen Auswahlmöglichkeiten, die wir potentiell haben, um unser Leben zu gestalten, unter. Denn theoretisch haben wir eine unendliche Anzahl an Möglichkeiten, z.B. bei der Freizeitgestaltung, von Kitesurfen über den Malkurs bis zum Poledancing ist alles wählbar. Und doch endet der Tag vor dem Fernseher auf der Couch, mit dem Gefühl, weder den Anforderungen noch sich selbst gerecht geworden zu sein. Fakt ist, niemand zwingt uns dazu, uns mit uns selbst zu befassen, und dafür Sorge zu tragen, daß eine Balance in unserem Leben herrscht, oder daß wir unsere Ziele verfolgen.
Die Zeit
Die Zeit ist das am gerechtesten verteilte Gut: jeder hat 24 Stunden am Tag. Jeder hat aber nur 24 Stunden am Tag. Die banale Wahrheit ist, nicht alles geht, und aufgrund unseres Eingebettetseins in soziale Strukturen (Arbeitsplatz, Familie, Freundeskreis) wird es immer wieder verschiedene, und auch widerstreitende Bedürfnisse geben. Es geht darum, einen Ausgleich zwischen ihnen zu finden, und sich ggf. bewußt für eine Schwerpunktverschiebung zu entscheiden, wenn ein Lebensbereich überbetont wird, z.B. in der Phase des Karriereaufbaus. Sie muß dann aber auch bewußt und klar umrissen und begrenzt sein. Denn Ihre Kinder werden als Volljährige nicht mehr Ihre Hand halten wollen, und wenn Sie „keine Zeit“ für Ihren Partner haben, dann brauchen Sie irgendwann höchstens nur noch ein paar Stunden beim Scheidungsanwalt.
Bewußte Entscheidungen
Es geht also darum, sich bewußt zu machen, was einen im Leben wirklich wichtig ist, denn das Dringliche, das unseren Alltag zu diktieren scheint, ist selten wichtig. Wir fühlen uns aber oft den äußeren Umständen ausgeliefert, und neigen dann dazu uns als Opfer zu sehen, und reagieren nur noch. Anstatt unser Leben bewußt und aktiv zu gestalten, verfallen wir ins Jammern oder suchen die Schuld bei anderen.
Wenn Sie halbherzig vor sich her murmeln: „ich müßte mehr Sport machen“ , dann wird das voraussichtlich nie passieren.
Der Tag hat 24 Stunden – nicht alles geht – also treffen Sie klare Entscheidungen, und verfolgen diese konsequent.
Hindernisse
Doch da geht es schon los:
Wie es sich in dem Beispiel „ich müßte mehr Sport machen“ abzeichnet, muß das Ziel klar formuliert, konkret und meßbar sein. Ist die Zielvorstellung eher schwammig, so es scheitert bereits beim Entschluß an „irgendwann, irgendwie, irgendwo“. Ähnlich verpufft jedes Bemühen im Keim, wenn Sie etwas bloß „versuchen“ wollen. Allerdings führt die „jetzt erst recht Haltung“, im Leben alles auf einmal umkrempeln zu wollen, auch selten zum dauerhaften Erfolg.
Aufschieberitis
Doch selbst mit konkretem Entschluß gibt es viele Stolperfallen bei der Ausführung. Das bekannteste Phänomen: man macht das absolute Gegenteil dessen, das man sich gerade vorgenommen hat. Vorzugsweise bei größeren Aufgaben, die uns schwerfallen, und die anzugehen im Vorfeld viele Unlustgefühle mit sich bringt. Anstatt die Seminararbeit oder die Präsentation zu schreiben, mutieren plötzlich Menschen, die sonst nie putzen, zu wahren Putzteufeln, nur um der eigentlichen Aufgabe auszuweichen, und ihr Gewissen durch irgendeine erbrachte Leistung zu beruhigen. Nach anfänglicher Erleichterung kommen die negativen Gefühle und das schlechte Gewissen jedoch bald noch stärker zurück, der Zeitdruck nimmt zudem zu. Meist kommt dann ein neuer Ablenkungs-oder Ausweichimpuls – nur noch kurz im Internet surfen, telefonieren, etc., und so dreht sich die Spirale weiter. Bis das Vorhaben dann aufgegeben, oder aber auf den letzten Drücker erledigt wird. Auf Dauer schädigt „Aufschieberitis“ das Selbstvertrauen, und es fällt noch schwerer neue Aufgaben und Herausforderungen anzugehen.
Hier trifft Senecas Spruch zu: „ Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer!“ Daß die Aufgabe zu einer scheinbar unüberwindlichen Hürde angewachsen ist, liegt in Ihrer Betrachtung derselben. Wenn Sie die Durchführung planen und in Teilaufgaben strukturieren, verliert eine große Aufgabe ihren Schrecken, das wird auch Salamitaktik genannt. Dann gibt es übersichtliche Teile, die abgearbeitet werden, Stück für Stück. Und hierbei gilt, lieber zu 80% getan, als zu 100% gelassen. Überlegen Sie sich eine Teilaufgabe, mit der Sie unmittelbar anfangen können, und beginnen Sie mit der Umsetzung.
Stolperfallen bei Verhaltensänderungen
Bei Verhaltensänderungen, die wir umsetzen wollen, ist es z.B. die Ausnahmefalle. Hier vollzieht sich (nach Münchhausen) der Dreischritt- „ausfallen lassen, schleifen lassen, sein lassen“. Teilweise wird dieser mitgetragen von einem eher unproduktiven Blick auf andere: „die tun es auch nicht“. Sicherlich gibt es Situationen, die es Ihnen tatsächlich unmöglich machen, etwas wie geplant durchzuführen, z.B. Joggen zu gehen. Planen Sie dann aber einen Ersatztermin, um Ihr Vorhaben nicht schleifen zu lassen. Wenn Sie einfach Unlust verspüren, so hilft vielleicht die 5 Minuten Taktik, führen Sie die geplante Tätigkeit für zumindest 5 Minuten aus. Meist läuft es dann von alleine, falls Sie jedoch nach 5 Minuten genug haben, so haben Sie zumindest einen Anker ausgeworfen, um die neue Gewohnheit zu festigen.
Was steckt hinter den Vorsätzen?
Sie fragen sich sicherlich langsam, was hat das alles mit Neujahrsvorsätzen zu tun? Sie sind nichts anderes als Ausdruck des Wunsches, etwas in unserem Leben nachhaltig zu verändern. Häufig gehen sie im Alltag unter, und deswegen stehen sie exemplarisch für ein allgemeineres Phänomen: wie kann ich mein Leben so führen, daß die von mir gesetzten Ziele erreiche, und in meinem Leben zufrieden bin?
Was sich abzeichnet: es ist erforderlich konkret zu planen und Strukturen zu schaffen, um die getroffenen Entscheidungen tatsächlich umzusetzen und zu leben. Wenn Sie Ihr Leben nicht planen und gestalten, dann machen es andere für Sie, und Sie reagieren weiterhin nur auf Tagesereignisse.
Planung und Schriftlichkeit
Grundstein der Planung ist die Schriftlichkeit. Und die beginnt bei der Formulierung der Ziele. Dadurch führen Sie sich Ihre Ziele konkret vor Augen, und können diese gezielt in Ihren Wochen- und Tagesablauf einplanen. Die schriftliche Planung hat zwei Vorteile:
- Sie setzen sich detailliert mit Ihren Zielen auseinander, und entwickeln eine genaue Vorstellung, wie Sie Ihr Ziel erreichen wollen. Und das fördert auch die Motivation.
- Zweitens, da Sie alles schwarz auf weiß haben, können Sie für sich klar Fortschritte, aber auch Hemmnisse in der Zielerreichung erkennen.
Sie können den jeweiligen Tätigkeiten klar Prioritäten zuordnen, nach der ABC-Analyse: A sind die wichtigsten Aufgaben, B eher die dringlichen, und C Routinearbeiten jeder Art, und diese entsprechend in Ihren Tagesablauf integrieren. Die A-Aufgaben idealerweise zuerst, denn das sind die Dinge, die für Sie von großer Wichtigkeit sind, und die, wenn sie nicht gezielt angegangen werden, zwischen den anderen auf der Strecke bleiben, und sei es bloß, weil wir sie wieder aufschieben. Und dabei kann es sich um ein wichtiges Projekt bei der Arbeit, Ihren Plan montags und mittwochs nach der Arbeit zu joggen, oder endlich den Partner am Freitagabend auszuführen, handeln.
Was ist wirklich wichtig?
Hierfür fand Stephen Covey eine gelungene Metapher:
Ein Professor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als seine Vorlesung begann, nahm er ein großes Gefäß und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Gefäß voll sei. Sie stimmten alle zu. Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen, schüttete sie in das Gefäß und schüttelte dieses leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der großen Steine. Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Gefäß jetzt voll sei. Sie stimmten zu und lächelten in sich hinein.
Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und schüttete sie in das Gefäß. Der Sand füllte die letzten Zwischenräume. “Nun”, sagte der Professor zu seinen Studenten: “Ich möchte, dass Sie erkennen, dass dieses Gefäß wie Ihr Leben ist!
Die großen Steine sind die wichtigen Dinge im Leben: Ihre Gesundheit, Ihr Körper, Ihre Seele, Ihre Familie, Ihre Freunde – Dinge die, wenn alles andere wegfiele und nur diese übrig blieben – sie Ihr Leben immer noch erfüllen würden.
Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge, wie z.B. Ihre Wohnung, Ihr Haus oder Ihr Auto. Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben – wie z.B. Handy, Fernsehen, Kino, Essen gegen oder Partys.
Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die großen Steine oder die Kieselsteine. So ist es auch in Ihrem Leben: Wenn Sie all Ihre Energie für die kleinen Dinge im Leben aufwenden, haben Sie für die großen Dinge keine Energie mehr.
Achten Sie zuerst auf die großen Steine – sie sind es, die wirklich zählen! Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Familie oder Ihre Freunde, achten Sie auf Ihren Körper, Ihre Seele und Ihre Gesundheit. Vieles was im Alltagsleben “so wichtig” erscheint und viel Zeit und Aufmerksamkeit bindet, … ist in Wirklichkeit … nur Sand!”
Fazit
Wenn Sie die dicken Kiesel nicht zuerst in das Gefäß tun, so passen sie später, da es mit kleinen Kieseln und Sand aufgefüllt wird, nicht mehr hinein. Was aber immer noch in das Gefäß dann paßt? Zwei Bier. Für die ist immer noch Zeit.
Es gibt den schönen Ausspruch: „ Das Leben ist das, was passiert, während wir andere Dinge planen“. Um dem Rechnung zu tragen, und bei der Planung realistisch zu bleiben, sollten Sie ca. nur 60% ihrer Zeit verplanen. Ohne jeglichen Plan laufen Sie jedoch Gefahr, daß alles beim Alten bleibt.
Es ist nicht möglich, das Thema ausführlich in diesem kleinen Rahmen zu behandeln, denn es gibt noch vieles was zum Thema Planung, Selbstmotivation und Selbstmanagement ergänzt werden könnte, und hier nur kurz angerissen werden konnte.
Ausführlich und individuell befaßt sich mein Workshop „Alltag im Griff“ mit dem Thema, dabei wird auch detailliert auf die Zielformulierung und die einzelnen Lebensbereiche eingegangen, und eine eigene Planung entwickelt.
Im Wesentlichen kommt es darauf an, sich zu entscheiden das Richtige zu tun, denn letztlich spüren wir es selbst: „ Wer den bequemen Weg geht, der wird es schwer haben im Leben.“